Stille ist nicht leer. Wenn wir still werden, werden wir zu einer Antenne. Hinter dem Geist wird es ruhig und die Stimmen hier sind ganz leise und flüstern nur noch. Und um dieses Flüstern zu hören, müssen wir die Lautstärke unserer eigenen Wichtigkeit und Beschäftigtkeit ein wenig herunterdrehen. Diese Wichtigkeit ist unser Ego in unserem Kopf, das ständig kommentiert: „Ich muss noch dies und das erledigen, unbedingt telefonieren usw…! Warum hat der mich so angeschaut? Mache ich alles richtig? usw….“
Die Heilkraft des Universums, die Spirits, das Qi oder wie immer wir es nennen, drängelt nicht, es flüstert eben nur und dies ganz leise. Es ist der Zustand, in dem die Batterie deines Lebens wieder aufgeladen wird, während du einfach bist, anwesend in deinem Körper, die Gedanken wahrnehmend, jedoch nicht an ihnen hängen bleibend. Wir empfangen plötzlich Impulse, Intuitionen und eine tiefe Ruhe, die vorher einfach „weggequatscht“ wurde.
Stille ist also kein Rückzug von der Welt, sondern dein Anwesend sein grad jetzt, hier. Stille ist ein Geschenk, das du dir selbst machst. Und wenn es am Anfang nur drei Sekunden sind, in denen dein Kopf ruhig ist – herzlichen Glückwunsch, du bist auf dem Weg in die Kraft!
Wenn du es schaffst, in einer stressigen Situation kurz innezuhalten und diese drei Sekunden absolute innere Ruhe zu spüren, dann hast du mehr erreicht als jemand, der zwar perfekt im Lotussitz meditiert, aber danach den Briefträger anschreit. Du bist dann im Training für die „Kraft der Stille“ und das Universum fängt gerade jetzt an, dir seine Geheimnisse zuzuflüstern.
Bei mir im Unterricht beginnen wir diese Körperwahrnehmung, das Anwesend sein im Körper wie folgt:
Wir stehen schulterbreit, nehmen unsere Füsse auf dem Boden wahr, verwurzeln uns mit der Erde über den Nierenpunkt, atmen in unsere Füsse und über den Nierenpunkt tief in die Erde.
Wir nehmen unsere Fussgelenke, die Knie, die Hüftgelenke wahr, die Beckenschale auf den Hüftgelenken. Wir senken das Steissbein, knicken leicht in die Knie. Wir öffnen unseren Unterbauch, füllen ihn mit Atem, dehnen den Atem aus, lassen ihn dann sehr langsam wieder ausströmen.
Wir dehnen den Atem zur Steissbeinspitze hin aus und der Wirbelsäule entlang hoch bis zwischen die Schulterblätter. Wir öffnen das Herz, indem wir unsere Schulter hochziehen und in einem grossen Bogen nach hinten und unten fallen lassen. Unser Brustbein hebt sich etwas an, die Schultern und Arme entspannen sich. Bewusst nehmen wir unsere Schultergelenke, die Ellbogen, die Handgelenke, die Hände und die Finger wahr und atmen in unsere Arme.
Wir öffnen unseren Kopf, indem wir das Kinn etwas zum Nacken hin ziehen und vom Nacken eine Verbindung zum dritten Auge herstellen. Unseren Blick richten wir zum dritten Auge hinaus in die Ferne. Wir entspannen unsere Gesichtszüge, die Zunge ist am oberen Gaumen. Ein liebevolles Lächeln hilft, mit guten, wertschätzenden Gedanken hier zu sein.
Den Scheitel öffnen wir über die Vorstellungskraft nach oben und wir atmen ganz bewusst.
Diesen kurzen Moment der Stille können wir in verschiedenen Alltagssituationen üben. Hier einige Beispiele:
Im Grossverteiler: Du stehst an der Kasse am Warten. Nütze dies, um einen Moment ganz in die Stille zu kommen: Stehe schulterbreit, senke das Steissbein leicht, so knickst du ein wenig in die Knie. Atme in die Füsse und sei ganz bewusst anwesend.
Beim Rotlicht: Anstatt auf das Lenkrad zu trommeln, praktiziere das „Innere Lächeln“. Entspanne deinen Kiefer, da sitzt oft der ganze Stress der Woche 😉 Richte den Scheitel auf, atme ganz bewusst nach unten in den Bauch und geniesse den Moment ganz für dich.
Bevor du nach der Arbeit den Schlüssel ins Schloss steckst und dich in das nächste Chaos (Familie, Haushalt, Mails) stürzt: Halt inne: Nimm einen einzigen, ganz bewussten Atemzug. Lass die Rolle der LehrerIn, der Mutter/des Vaters oder der/des Angestellten für drei Sekunden draußen stehen. Tritt dann ein als das in sich ruhende Gefäss. Du reagierst dann nicht nur, sondern agierst aus deiner Mitte heraus.
Das Fazit: Die wahre Kraft der Stille zeigt sich nicht, wenn alles ruhig ist. Sie zeigt sich, wenn es laut ist und du trotzdem den Zugang zu deinem inneren „Stille-Knopf“ findest. Jede dieser Situationen ist eine Einladung, dein Qi zu kultivieren und den Blickwinkel etwas zu ändern.
Probiere es aus: Das nächste Mal, wenn dich etwas nervt, lächle kurz innerlich und denk dir: „Danke für die kostenlose Übungsstunde, Universum!“😊
